Die Hainfeld im Harz Expedition

Abschrift aus: WirtschaftsBild - Ausgabe: Nr. 9/2001 - 12.3.2001

Andreas Oberholz:    Boden- und Baugrunderkundung - Unheimliche Begegnungen der dritten Art

Übersinnliche Spürnase, Zufall oder unerklärliches Talent? Ein Unternehmen aus Elmshorn setzt mit Erfolg auf radiästhetische Methoden.

Auch die Kollegen vom Rundfunk hatten ihre liebe Müh: "Zufall oder Methode?" titelte der Hessische Rundfunk, als Erich Schuck im Winter 1994 drei Planstandorte zur Errichtung einer Mülldeponie im Raum Kimbach, Vielbrunn unter die Lupe nahm. Besser gesagt: Unter die Wünschelrute, denn Erich Schuck ist Rutengänger. Die großflächige Erkundung der Grundwassersituation in diesem Raum - immerhin 20 Quadratkilometer - wäre mit geophysikalischen Methoden nicht zu leisten und erst recht nicht zu bezahlen gewesen. Schuck aber war erfolgreich. Er identifizierte die potenziellen Kontaminationspfade für das Grundwasser der Region und machte so die Gefährdung der Trinkwasserversorgung durch Einsickerungen infolge der geplanten Deponie transparent. Nebeneffekt seiner Arbeit: die Entdeckung eines bislang unbekannten unterirdischen Sees.

Ein Einzelfall? Zusammen mit Peter Schneider firmiert Schuck unter dem Firmen-Logo SSP-Exploration am Standort Elmshorn. Schuck und Schneider haben schon über 300 erfolgreiche Grundstücksuntersuchungen hinter sich, wo nötig auch unter Zuhilfenahme konventioneller Gleichstrom-Geoelektrik oder des so genannten Geo-Radars. In Dömitz an der Elbe fand SSP-Exploration den Produktionsstollen einer Munitionsfabrik aus dem 2.Weltkrieg, sprich Lage, Verlauf, Tiefe, Breite und Zugangsmöglichkeiten allein mit radiästhetischer Methodik, anschließend eingesetzte Messtechnik bestätigte die Ergebnisse. Die Suche war notwendig geworden, weil das Gelände mit dem bis dahin nur vermuteten Stollen zur gewerblichen Neubebauung anstand.

In Dieburg ermittelten Schuck und Schneider, warum massive Grundwassereinbrüche fast ein halbes Jahr lang die Bauarbeiten an einem 2,6 Millionen teuren Regenwasserauffangbecken zum Erliegen brachten. Im Baugrund gab es mehr als eine wasserführende Schicht, eine seltene Konstellation, die in einem ersten Gutachten für die Stadt nicht erkannt worden war.

Ähnlich hilfreich war die Detektion radiästhetischer Feldanomalien beim Neubau eines Regenrückhaltebeckens bei Bad König. Auch hier konnte Erich Schuck die Ursache des Wassereinbruchs herausfinden und so den mehrmonatigen Baustillstand beenden. Und die Gräfliche Bauverwaltung derer von Erbach im Odenwald dankte für die erfolgreiche Ursachenforschung bezüglich eines Totalverlustes von Teichwasser im Englischen Garten an der Nibelungenstraße.

Trotz der nachweisbaren Erfolge stösst die Arbeit der SSP-Exploration immer wieder auf tiefe Skepsis. Klar: Die etablierte Wissenschaft hat den kritischen Rationalismus auf ihrer Seite, wenn sie darauf verweist, dass beispielsweise Wasseradern im Boden keine mit bekannten Messtechniken erkennbare Strahlung abgeben. Woran also macht ein Rutengänger dann seine Wahrnehmung fest? Anders formuliert: Welche Instinkte oder talente erzeugen die notwendige Sensibilität? In breit angelegten Feldversuchen wissenschaftlicher Institute zeigte sich bislang, dass nur wenige Rutengänger in der Tat überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen. Wie der Wahrnehmungsprozess tatsächlich abläuft, ist also schlichtweg unbekannt.

Ein Physiker der Universität München formulierte deshalb auf einer Fachtagung in Leipzig so: "Es gibt massive Indizien dafür, dass Anomalien im Untergrund und damit korrelierte höffige Bereiche von einigen wenigen, besonders geeigneten Personen mit teilweise erstaunlicher Genauigkeit erkannt werden können. Umstände und Details der Vorhersagen deuten an, dass geophysikalisch definierbare Anomalien in gewissen Fällen effizienter erfassbar sind, als es derzeitige Messtechnik erlaubt."

Dennoch oder gerade deshalb? Die Referenzliste von Schuck und Schneider wächst und wächst. Ob es in der Unterwelt von Darmstadt um den lange gesuchten Gang zur Gruft der Landgräfin Karoline (1721-1774) geht, oder um die Erkundung von Erzlagerstätten auf den Philippinen, die Projekte sind so ungewöhnlich wie die Ergebnisse.

Ein türkischer Geschäftsmann hat die SSP jetzt beauftragt, nach Thermal- und Mineralwasservorkommen zu suchen. Nach Schneiders Angaben soll dann eine Mineralwasser-Abfüllfabrik entstehen. Gedacht ist auch an ein Wellness-Centrum, sofern das nötige Thermalwasservorkommen im Untergrund vorhanden ist. Peter Schneider verweist nicht nur wegen dieses Projektes auf die Ökonomie, wenn er die bisherige SSP-Bilanz bewertet: "Radiästhetische Verfahren schließen die Lücke zwischen der aus wirtschaftlichen Gründen meist unmöglichen regionalen, großflächigen Erkundung und dem auf eng begrenztem Raum durchaus immer sinnvollen Einsatz geophysikalischer Mess- und Bohrtechnik." So könne regional oder großflächig zunächst abgeklärt werden, an welchen Stellen es sich am meisten lohne, weitere Nachforschungen anzustellen.

P.S.: Die Redaktion hatte kürzlich Gelegenheit, die SSP-Exploration vor Ort bei der Arbeit zu erleben. Und war beeindruckt. Erich Schuck fand zwei vermutete Altstollen aus Harzer Bergwerkstagen. Wenige Tage später brachten intensive Archivrecherchen der zuständigen Bergämter doch noch Unterlagen zu Tage. Ergebnis: Schuck hatte Länge, Breite und Tiefe der Altstollen auf den Meter genau bestimmt! Alles nur Zufall?

Mail11f6.gif (4196 bytes) ssp-exploration@t-online.de

 

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