Grundwassersituation Dieburg

 

Aufgabenstellung:  Erkundung der Grundwassersituation bei der Baugrube des Regenrückhaltebeckens in Dieburg. 

Auftraggeber: Abwasserverband Bad König/Odenwald.

Problem: Im Verlauf der Aushubarbeiten zur Erstellung des Regenwasserauffangbeckens war  es Anfang 1997 überraschend zum Einfluss von Grundwasser gekommen. Die  zwischen 2,50 und 0,30 Meter tief ausgehobene und durch Stahlspundwände abgestützte Baugrunde war "plötzlich" von einer Wasserfläche bedeckt. Die Bauarbeiten wurden unterbrochen. 

Der Versuch, das Wasser in drei eignes zu diesem Zweck ausgehobene Sickerlöcher zu pumpen und damit zu beseitigen, schlug fehl. Die Baugrube wurde nicht trocken.  Eine Erklärung für den Wassereinbruch konnte nicht gefunden werden.

Erich Schuck/SSP-Exploration wurde beauftragt, die Grundwassersituation bei der Baugrube zu erkunden und zu versuchen, die Ursache des Wassereinbruches zu finden.

Bericht/Zeitungsartikel: Darmstädter Echo,  2.12.19

Kopie von RÜB-Titel.jpg (35997 bytes)

Auszug aus o.g. Artikel: 

Ergebnisse der Erkundung durch Erich Schuck (Kurzfassung) :

Die geologische Struktur des Untergrundes bei der Baugrube weist 2 Verwerfungen auf. Beide Verwerfungen folgen in etwa der Nord-Süd-Richtung. Die Verwerfung Nr. 1 ist wasserführend. Die Verwerfung Nr. 2 führt zur Zeit kein Wasser.  Verwerfung Nr. 1 hat eine  Breite von ca. 1,80 Meter. Sie beginnt in einer Tiefe von ca.  7 Meter unter der Erdoberfläche und reicht bis in eine Tiefe von ca. 50 Meter hinab (Mächtigkeit).  Schüttung: 24.7.1997: 33 l/sec., 26.7.2007: 31 l/sec., 25.9.1997  46 l/sec. Fließrichtung des Grundwassers: von Süden nach Norden, zum Main hin.

Im Verlauf der Aushubarbeiten traten  bis zu einer Tiefe von ca. 4  m Schwemmsand und Flußsteine (Steine mit abgeschliffenen Kanten) auf.  Darunter trat eine Schicht aus (wasserundurchlässigem) Löß/Lehm auf. Dies deutet darauf hin, dass die Baugrube in ein altes Flußbett plaziert wurde.  Es dürfte sich dabei um ein altes, besser gesagt um ein Ur-Flußbett der Gersprenz und/oder des Alten Mühlbaches oder um einen Seitenarm der Flüsse handeln. (vgl. Geologische Übersichtskarte von Hessen, Hess. Landesamt für Bodenforschung, Wiesbaden 1989, Ausschnitt im Anhang 3  beigefügt).

Bei dem im Gebiet der Baugrube angetroffenen Grundwasservorkommen dürfte es sich zum einen  um Grundwasser aus Auenströmen handeln. Dieses Grundwasser bewegt sich mit sehr geringer Geschwindigkeit auf der Lehm/Löß - Schicht zum Main hin. Menge (zur Zeit:  5 l/sec.) und Mächtigkeit hängen unmittelbar von den Niederschlägen ab. Da  diese seit September 1997 nur gering waren, dürfte der Pegel außerhalb der Baugrube weit zurückgegangen sein. Zur Zeit ca. 6 bis 7 Meter  unter der Erdoberfläche  (lt. tel. Auskunft Herr Dimmerling, Bauunternehmung Ulrich, Fulda,  am 21.11.1997).

Das Wasser in der Baugrube dürfte jedoch eher nicht oder nur zu einem geringen Teil aus dem Auenstrom kommen. Das aus dem Auenstrom einfließende Wasser macht zur Zeit keine besonderen Maßnahmen erforderlich, es ist nicht ursächlich für den Wasserstand in der Baugrube.

Es  ist die geortete Verwerfung Nr. 1, über die das Wasser in die Baugrube gedrungen ist.  Denn auf der Baugrundsohle ist im Bereich der Verwerfung die Dichtigkeit und Stärke der Lösschicht gestört. Möglicherweise hervorgerufen durch die Aushubarbeiten oder natürlich bedingt. Grundwasser konnte daher an dieser an dieser Stelle von unten her eindringen.  

Der Versuch, das Wasser in drei eignes zu diesem Zweck neben der Baugrube ausgehobene Sickerlöcher zu pumpen und damit zu beseitigen, musste fehlschlagen, da die Sickerlöcher unglücklicherweise direkt über der Verwerfung Nr. 1 plaziert worden waren und das Wasser über die Verwerfung wieder in Becken zurückfloss. Hierin ist der Grund zu sehen, dass das Bauunternehmen der Sache nicht mehr Herr wurde und "keiner" mehr weiter wusste.

Auch über die derzeit trockene Verwerfung Nr. 2 könnte Grundwasser herangeführt werden. Das ist in den letzten Monaten jedoch nicht geschehen, die Niederschläge eher gering waren.

Lösung: Nachdem das Wasser nicht mehr in die Sickergruben gepumpt wurde gelang es, die Baugrube trocken zu legen. Die Bauarbeiten wurden eiligst fortgesetzt, um den wetterbedingten Vorteil aktuell geringer Niederschläge auszunutzen. Hingewiesen wurde darauf, dass sich die Grundwassersituation rasch wieder ändern wird,  wenn die Niederschlägen zum Frühjahr hin  zunehmen. Dann dürfte auch im Auenstrom und in der Verwerfung Nr.1  wieder mit erheblich mehr Wasser zu rechnen sein.

 

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