Projekt Rodenstein

 

Die Erkundung der Burgruine Rodenstein in Fränkisch-Crumbach/Odenwald  auf verborgene Kellerräume und Fluchtgänge erfolgte in den Jahren 1988 bis 1990. Die Ruine, der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Burg, war Forschungsobjekt. Auf  dem Gelände der ehemaligen Burg wurden Hohlräume radiästhetisch geortet und an einer Stelle durch Grabung nachgewiesen. Danach erfolgte, ohne weitere Grabungen vorzunehmen, der Nachweis des ehemaligen Kellerzuganges mit dem Verfahren der Geoelektrik. Im März 2005 wurden die Erkundungsergebnisse in einer archäologischen Fachzeitschrift veröffentlicht. Das Projekt bewies schon 1988/1990 die Sinnhaftigkeit und Vorteile  der Kombination subjektiver (radiästhetischer) und objektiver (messtechnischer) Ortungsverfahren bei der Suche nach archäologisch bedeutsamen Hohlräumen. 

Der Erkundungsbericht aus 2005 gibt Aufschluss darüber wo, wie und an welchen Stellen bevorzugt Grabungsmaßnahmen vorgenommen werden sollten, um mit dem geringsten Aufwand, zielgerichtet, ein Maximum an Erkenntnissen über das Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert zu erhalten. 

Abschrift:

Mit der Wünschelrute Keller geortet
(Stephan Görisch, Darmstädter Echo,  21.9.2004)

Radiästhesie - Zugeschüttete Hohlräume unter der Burgruine  Rodenstein im Odenwald - Bis dato gibt es kein Grabungsprojekt

GLÜCKLICH WAR ERICH SCHUCK (Michelstadt), als er erstmals an einer mit der Wünschelrute „gemuteten“ Stelle in der Burgruine Rodenstein auf einen Hohlraum stieß: Nach Ansicht von Schucks Teamkollege Peter Schneider handelt es sich um einen von mehreren offenbar zugeschütteten Kellerräumen. (Foto: Peter Schneider)

Als Heinrich Schliemann anno 1868 in die Ägais abreiste, um Troja auszugraben, das nur durch Verse des antiken Dichters Homer belegt war , hielten ihn Zeitgenossen für naiv oder durchgeknallt.

Der Fund rehabilitierte ihn – wenn auch seine Grabungsmethode der von Raubgräbern glich, die ohne Rücksicht auf archäologische Erkenntnisse und unwiderbringlich zerstörte Kulturspuren das Erdreich durchwühlen. Auch um Rehabilitation, in ihrem Fall um die einer von vielen Zeitgenossen belächelten Ortungsmethode ging es Peter Schneider und Erich Schuck (Michelstadt).

Die beiden wollten die Fähigkeit unter Beweis stellen, mit Wünschelrute oder Pendel unter anderem Wasseradern und „Anomalien im Erd-Magnetfeld“ orten zu können. Schuck kam schon vor über zehn Jahren auf die Idee, mittels der Radiästhesie auf der sagenumwobenen Burgruine Rodenstein nahe Fränkisch-Crumbach im Odenwald nach verborgenen Hohlräumen zu suchen.

Kritiker, die vorab mit dem Einwand bei der Hand wären, es gehöre nicht viel dazu, zwischen Umrissen eines Gebäudes Keller zu vermuten, müssen sich bremsen lassen: Bis Ende des 19. Jahrhunderts war es keineswegs üblich, überbaute Flächen vollständig zu unterkellern, umgekehrt wurden Keller vielfach außerhalb von Gebäudekonturen angelegt, schließlich wurden bei Folgebebauungen oft ältere Strukturen einfach überbaut. Die beiden können zwar keine spektakulären Funde nachweisen, jedoch gab ihre Arbeit Anlass zu zukünftigen Nachforschungen.

Burg Rodenstein wurde auf dem Gelände eines Gehöfts errichtet, das im 13. Jahrhundert von einer Familie Crumbach erworben wurde. Die Burg war bis 1635 bewohnt, danach verfiel sie, ihre Substanz wurde bis zum Aufleben denkmalschützerischer Interessen um die Mitte des 19. Jahrhunderts von Anwohnern als Baumaterial geplündert.

Der Heimatforscher Pfarrer Theodor Meisinger erwähnte im Darmstädter Tagblatt vom 27. Januar 1951 eine von den Nachfahren der Rodensteiner genehmigte Schatzsuche auf der Burg im Jahre 1754, über deren Verlauf oder Erfolg nichts bekannt ist. Schuck und Schneider gingen die Ruine systematisch mit der Wünschelrute ab.

Nach ihren Angaben erspürten sie dabei etliche „Hohlraumanomalien“: Stellen, die sich für sie anders anfühlen als massiver Boden. Wo sich früher das Burggebäude „Steinerner Stock“ befand, „muteten“ sie so drei nebeneinander liegende Hohlräume von insgesamt etwa zweieinhalb mal sechs Meter und einen weiteren quer dazu, sowie einen Gang, der in Richtung Mühlturm verlief, aber unterbrochen, wohl eingestürzt ist.

Weitere „Hohlraumanomalien“ machten Schuck und Schneider nach ihrem jetzt vorgelegten „Erkundungsbericht“ innerhalb der beiden Außenmauern im Westen der Burg ausfindig, sowie unter dem „Vorzwinger“ – einem zu Verteidigungszwecken vorgelagerten Innenhof, in der Westmauer sowie in der Südwest-Ecke des Zwingers. Dieser Hohlraum von etwa vier mal acht Meter Fläche hatte offenbar Verbindung mit dem Raum unter dem Vorzwinger.

Die „Mutung“ dieser Hohlräume wurde bestätigt durch Georadar und geoelektrische Messungen (Messung des Bodenwiderstandes): hohe Widerstandswerte lassen auf Luft, also Hohlräume schließen. An einer der „gemuteten“ Hohlraumstellen unter dem ehemaligen Burggebäude „Steinerner Stock“ schauten Schuck und Schneider mit Erlaubnis des Grundeigentümers nach, und sie wurden fündig.

Unter einem Einstiegsloch von etwa 40 mal 40 Zentimetern stieß man unter einer etwa 50 Zentimeter starken Kellerdecke auf einen Hohlraum, der bis fast unter die Decke verfüllt ist. Es scheint, dass Schutt von außen hereingeschaufelt wurde und dass danach auch der Niedergang außen vollständig zugeschüttet und eingeebnet wurde.

Die Zusammensetzung des Füllmaterials dort – Lehm, Sand, Ziegelsteine, Pflanzenfasern – erklärt die messtechnisch festgestellte hohe Leitfähigkeit des Untergrundes an dieser Stelle. Die Verfüllung des Kellers reicht bis etwa 50 Zentimeter an die gewölbte Decke heran.

Schuck und Schneider, die als Gesellschaft für Projektberatung und als Forschungsgemeinschaft Radiästhetische Feldanomalie Detektion in Weil am Rhein firmieren, gaben sich mit dem Ergebnis zufrieden: sie sahen zunächst ihre Ortungsmethodik bestätigt. Eine Freilegung der georteten Kellerräume etwa durch engagierte Heimatforscher würde – neben der Einwilligung der Eigentümer – vor allem eine Grabungsgenehmigung durch das Hessische Landesamt für Denkmalpflege bedingen.

Das Amt nennt an Voraussetzungen dafür eine schlüssige Projektierung, archäologische Aufsicht und sorgfältige Dokumentierung der Grabung – und vor allem eine solide Fin
anzierung zur Konservierung des Bauwerks.



 

 

Der Grundriss der Ruine aus 1640 mit den georteten Hohlräumen I - VIII, Erich Schuck, 1989/1990

 

 

In den georteten Kellerräumen:  


 

 

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